Bayern Wild

Bayern Wild Newsletter

26. Januar 2026

Newsletter Jahresrückblick 2025

 

Liebe treue Bayern Wild und Tatort Natur Fans,

seit unserem letzten Newsletter ist schon einige Zeit vergangen, aber wir haben Euch natürlich nicht vergessen! 

Zum Abschluss dieses turbulenten Jahres schicken wir Euch nochmal die “High- und Downlights”:

 
 

Tatort Natur: Besorgniserregender Anstieg der Fälle trotz Polizeiaufgebot

So erfreulich die Rückkehr einiger Wildtiere ist, so besorgniserregend bleiben die Fälle illegaler Tötungen. 2025 mussten erneut einige Verluste verzeichnet werden. Wölfe verschwanden spurlosaus Gebieten, in denen sie zuvor regelmäßig nachgewiesen wurden. Ein als zunächst als Verkehrsopfer deklarierter Jungwolf stellte sich bei der Untersuchung am IZW als Schussopfer heraus – der LBV hofft auf sachdienliche Hinweise und lockt mit 5.000€ Belohnung. Die Dunkelziffern dürften erschreckend sein… Für kleine Populationen sind solche Verluste existenzbedrohend. Beim Luchs – besonders bei weiblichen Tieren im reproduktionsfähigen Alter – wirft jeder einzelne Verlust die Bestandsentwicklung um Jahre zurück.

Zum ersten Mal seit Projektbeginn von Tatort Natur kam es zu einem Anstieg der Vergiftungsfälle von Greif- und Eulenvögeln (30 Individuen) in Bayern. Es ist schwer zu sagen, ob tatsächlich mehr Straftaten begangen wurden oder ob aufgrund verstärkter Pressepräsenz in diesem Jahr mehr als doppelt so viele Funde (119 Individuen) gemeldet wurden. Die Zahlen belegen jedenfalls, dass noch viel Aufklärung auf dem Gebiet notwendig ist. Da sich Tat- und Fundort oftmals unterscheiden, selten die “Mordwaffe” – also der Giftköder – gefunden wird und meist weder Zeugen noch Motive vorhanden sind, gestalten sich Beweisaufnahme und Täterermittlung für die Polizei äußerst schwierig.

Nachdem im niederbayerischen Simbach bei Landau 17 Greifvögel (Milane, Bussarde, Falken) tot aufgefunden wurden, setzte die Polizei auf eine großflächige Absuche – inkl. Drohnen und speziell ausgebildeten Naturschutzhunden aus Österreich. Ziel war die Suche nach möglichen Giftködern oder weiteren Opfern. Die Absuche selbst blieb erfolglos, jedoch wollte man ein Zeichen setzen, dass die Polizei das Thema ernst nehme und das Töten von Greifvögeln keinesfalls toleriere

Fortbildungsveranstaltungen und Öffentlichkeitsarbeit im Rahmen von Tatort Natur und der AG Greifvögel (PP Niederbayern) führten zwar zu einem verbesserten Bewusstsein bei Verwaltungs- und Ermittlungsbehörden, jedoch würden auch die Staatsanwaltschaften von einem Leitfaden – ähnlich des polizeilichen Streifenhelfers – profitieren, da sie nicht regelmäßig mit Fällen von Tötungen geschützter Arten konfrontiert werden und damit mit den konkret anzuwendenen Strafnormen ungeübt sind. Als Vorlage könnte das neue Handbuch “Artenschutzstrafrecht” dienen, welches wurde u.a. von Prof. Dr. Sönke Gerhold (Uni Bremen) entwickelt und vom Bundesministerium für Naturschutz in Kooperation mit dem WWF Deutschland finanziert wurde.

Letztlich ist weiterhin Aufklärungsarbeit entscheidend: Viele Konflikte ließen sich durch Dialog, Beratung und finanzielle Unterstützung für Schutzmaßnahmen entschärfen. Hierauf sollte mehr Fokus liegen, denn die illegale Verfolgung gefährdet nicht nur einzelne Tiere, sondern den gesamten Artenschutz in Bayern. Sie untergräbt jahrzehntelange Bemühungen um die Rückkehr dieser faszinierenden Wildtiere.

 

Foto: Franziska Baur

 

Spürhunde im Einsatz gegen Naturschutzkriminalität - Vortrag von Franziska Baur

GLUS Biologin und Hundetrainerin Franziska Baur hielt in diesem Jahr erneut ihren ausführlichen Vortrag über das Potential von Spürhunden im Kampf gegen Naturschutzkriminalität im Rahmen des Lehrgangs Artenschutzvollzug: Entnahme – Haltung – Handel (10.-14.11.2025). 

Inhalte waren u.a. der massive Rückgang von Straftaten seit Einsatz der K8 Unit in anderen Ländern (Andalusien: Hausdurchsuchungen, Abschreckung), die signifikanten Vorteile von Spürhunden im Vergleich zu anderen Ermittlungsmethoden, die mannigfaltigen Einsatzbereiche, Ausbildungsmethoden und Zertifizierung des ersten Carbofuran-Spürhundes in Österreich. Dank der AG Greifvogel in Bayern (Polizeipräsidium Niederbayern) soll auch in Bayern ein Diensthund eine Zusatzausbildung bekommen. Wir bleiben gespannt, erachten jedoch den Kadaver-Zielgeruch als am sinnvollsten für den Einsatz gegen Naturschutzkriminalität, statt nur auf Carbofuran auszubilden. Letzteres ist ein höchst gefährliches Kontaktgift (Berührung mit Hundenase bereits in kleinsten Dosen letal) und limitiert die Einsatzbereiche. Das breitere Einsatzspektrum eines Kadaver-Spürhundes umfasst hingegenalle Opfer (Fallen, Abschüsse, Windradschlagopfer, jegliche Gifte etc.) in allen Verwesungszuständen (Frischfleisch bis Knochen) sowie fleischige Köder (z.B. Rehlauf als Carbofuran-Giftköder, Fleisch mit Nägeln bespickt). 

Möglicherweise decken bereits vorhandene Leichenspürhunde dieses Spektrum bereits ab und könnten erfolgreich eingesetzt werden, dies müsste jedoch von den involvierten Hundetrainern abgeklärt werden…

 

Foto: Franziska Baur

Foto: Franziska Baur

 

Wölfe – Wissenschaftliche Fakten und EU-Recht werden einfach ignoriert

Die kontroverse Diskussion zur Herabstufung des Schutzstatus des Wolfs nahm zum Ende des Jahres steil an Fahrt auf: Das EU-Parlament hat 2025 beschlossen, diesen in der FFH-Richtlinie von Anhang IV (streng geschützt) auf Anhang V (geschützt) herabzusetzen, um den Mitgliedstaaten mehr Flexibilität bei der Bestandsbewirtschaftung zu geben, was jedoch eine Anpassung der nationalen Gesetze (z.B. BNaSchG, BJagdG) erfordert.

Jedem Land ist es frei gestellt, ob es diesen Schritt gehen möchte, genauso gut kann der Schutzstatus im Status Quo verbleiben. Naturschutzverbände und Wissenschaftler warnen eindringlich vor einer Gesetzesänderung: die Populationen sind in vielen Regionen Europas bei weitem nicht “günstig” und ein entsprechendes Management könnte fragmentierte Habitate – wie die Bayerischen – wieder komplett auslöschen. Zudem ist zu befürchten, dass damit ein gefährliches Signal gesendet wird: dass Artenschutz verhandelbar ist, sobald wirtschaftliche Interessen berührt werden.

Von den Umweltverbänden NABU, BUND, WWF, GzSdW und Tierschutzbund wurde aus diesen guten Gründen ein umfangreiches Rechtsgutachten zum vorgelegten Gesetzentwurf in Auftrag gegeben. In dem Gutachten wird dem Gesetzesvorhaben eindeutig die Europarechtswidrigkeit bescheinigt – dennoch halten führende Politiker an dem Entwurf fest: kurz vor Weihnachten hat das Bundeskabinett tatsächlich einen Gesetzentwurf zur Aufnahme des Wolfes ins nationale Jagdrecht beschlossen. 

Nicole Kronauer (GzSdW) hierzu: „Auf Bundesebene werden hier Weichen gestellt, die trotz aller Beteuerungen schlimmstenfalls zur Wiederausrottung des Wolfes führen können.” Gründe hierfür seien bereits bestehende Einflüsse wie stagnierende Wolfszahlen durch Verkehrsunfälle, Wilderei und natürliche Sterberaten. Hier werden jahrzehntelange Bemühungen im Artenschutz zunichte gemacht. Den Weidetierhaltenden werde Sand in die Augen gestreut, indem ihnen durch eine geplante Wolfsbejagung ein gewisser Schutz suggeriert wird, der aber faktisch nicht existiert. Verschwiegen werde außerdem, dass die Zahl der Risse im vergangenen Jahr um bis zu 25 % zurückgegangen ist. Tatsächlich hat eine Bejagung nach neuesten wissenschaftlichen Untersuchungen keinerlei positiven Einfluss auf das Rissgeschehen. Vielmehr ist bereits mehrfach nachgewiesen, dass die Bejagung zu einem deutlichen Anstieg der Risszahlen führen kann. Eine anlasslose Bejagung ist somit als Herdenschutzmaßnahme ungeeignet und völlig sinnlos.

 

Foto: Lambert Heil

 

Goldschakal - Der stille Einwanderer

Der Goldschakal hat sich 2025 als neuer Wildbewohner Bayerns weiter etabliert. Nach ersten gesicherten Nachweisen in den Vorjahren mehren sich die Hinweise auf eine dauerhafte Präsenz. Goldschakale wurden vor allem in Süd- und Ostbayern dokumentiert, insbesondere in Feuchtgebieten und strukturreichen Landschaften.

Im Gegensatz zu Wolf und Luchs verläuft die Einwanderung des Goldschakals weitgehend unbemerkt und konfliktfrei. Die anpassungsfähigen Tiere ernähren sich opportunistisch von Kleinsäugern, Aas, Früchten und Insekten. Übergriffe auf Nutztiere sind äußerst selten.

Wissenschaftler beobachten die Entwicklung mit großem Interesse. Der Goldschakal könnte eine ökologische Nische besetzen, die zwischen Fuchs und Wolf liegt. Genetische Untersuchungen zeigen, dass die bayerischen Tiere aus verschiedenen Richtungen einwandern – aus Österreich, aber möglicherweise auch aus Italien und dem Balkan. Für 2026 erwarten Experten weitere Nachweise und möglicherweise erste Reproduktionsnachweise in Bayern.

 

Foto: Fotolia

Fischotter: Comeback mit Hindernissen

Nach jahrzehntelanger Abwesenheit hat sich die Art von Osten her wieder ausgebreitet. Mittlerweile werden Fischotter nicht nur in der Oberpfalz und Niederbayern regelmäßig nachgewiesen, sondern auch in Oberfranken und vereinzelt in Schwaben.

Die Rückkehr des eleganten Wasserräubers ist ein Indikator für saubere Gewässer und intakte Ökosysteme. Allerdings führt sie auch zu Konflikten mit der Teichwirtschaft. Besonders in der Oberpfalz, einem Zentrum der Karpfenzucht, klagen Fischer über erhebliche Verluste. Schutzmaßnahmen wie Zäune sind kostspielig, und die Diskussion um Managementmaßnahmen ist in vollem Gange.

Dennoch überwiegen die positiven Aspekte: Der Fischotter zeigt, dass Renaturierungen und Gewässerschutz Früchte tragen. Flussabschnitte mit naturnahen Ufern bieten ihm ideale Lebensbedingungen. Der Straßenverkehr bleibt allerdings die größte Gefahr – viele Otter werden bei Wanderungen zwischen Gewässern überfahren. Der Bau von Otterquerungen an kritischen Stellen ist eine wichtige Aufgabe für die kommenden Jahre.

 

Foto: Fotolia

 

Buchtipp: Deutschlands Wilde Wölfe von Axel Gomille

Axel Gomille bringt sein Meisterwerk „Deutschlands wilde Wölfe“ neu heraus und zieht Bilanz. Als Zoologe und Fotograf ist Gomille vor allem draußen unterwegs, ist also Praktiker durch seine jahrzehntelange Erfahrung mit wilden Wölfen. Wie verhalten sie sich, wie leben sie, wie reagieren sie auf Menschen? Das Werk kombiniert Fotos, die alle in freier Natur entstanden sind, mit detaillierten Beobachtungen und neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen. 

Wölfe haben in den letzten 25 Jahren gezeigt, dass sie mit uns leben können. Nun müssen wir zeigen, ob wir mit ihnen leben wollen…

Empfohlen von:
LUPUS Institut für Wolfsmonitoring und -forschung in Deutschland und Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW)

DEUTSCHLANDS WILDE WÖLFE
Frederking & Thaler Verlag 2025
ISBN: 978-3-95416-415-8

 
 

Planet e. – Tod in der Wildnis (ZDF)

Wir waren dabei! "planet e." begleitete Ermittler, Forensiker und Umweltschützer bei ihrem Kampf gegen die Wilderer in Europa und zeigt Möglichkeiten auf, wie solche Taten verhindert werden können. 

Zum Film (Minute 4:40 und 22:40!)

Ein Film von Andrea Zimmermann
Kamera: Zeno Legner, Jens Schade
Schnitt: Sergios Roth
Redaktion: Martin Ordolff

 

Franziska Baur im Dialog mit Prof. Dr. Ammer (Tox-Lab, LMU München)

Das Filmteam rund um Filmemacherin Andrea Zimmermann - immer mit dabei: Murmel ;-)

 

Das neue Jahr wird spannende Entwicklungen bringen. Der Klimawandel verändert Lebensräume, neue Arten wandern ein. Besonders die Entwicklung von Wolf, Luchs, Goldschakal und Fischotter sowie der Umgang mit Naturschutzkriminalität wird die Naturschutzarbeit prägen. Der Dialog zwischen allen Beteiligten – aus Naturschutz, Landwirtschaft, Jagd, Politik und Behörden – bleibt entscheidend für ein gelingendes Miteinander von Mensch und Wildtier.

Lasst uns gemeinsam dafür sorgen, dass Bayern auch in Zukunft ein vielfältiger Lebensraum für Wildtiere bleibt!

 

Eure

Franzi Baur 

Fachreferentin Naturschutz | Projektmanagement Tatort Natur & Bayern wild

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