Aus der Praxis

In Bayern bemühen sich einige Betriebe um einen guten Schutz ihrer Herden - nicht nur, aber auch vor dem Wolf. Das muss nicht zwangsweise die Anschaffung von Herdenschutzhunden bedeuten. Bereits stromführende Zäune nach "guter fachlicher Praxis", wie es immer wieder heißt, leisten gute Dienste. Viele Weidezäune erinnern Nutztiere daran innerhalb der Fläche zu bleiben, was im Regelfall bei genügend Futterangebot auch ausreicht. Mit Anwesenheit von Wölfen (aber auch „spielende“ oder wildernde Hunde können eine Gefahr sein!), reicht diese Art der Zäunung nicht mehr aus.
Einige Betriebe leisten auch eine gute Öffentlichkeitsarbeit. Es ist wichtig, dass sich Weidetierhalter finden, die sich rechtzeitig damit auseinandersetzen Herdenschutzhunde zu halten und deren Lebens- und Arbeitsweise zu verstehen.  Es ist nicht selbstverständlich und ohne weiteres machbar. Diese Tierhalter leisten einen wichtigen Beitrag für die Weidetierhaltung und ihre Kollegen, die von diesen Erfahrungen profitieren können.

Untenstehend Beispielbetriebe aus Bayern

Hier gibt es Beispiele Herdenschutz in Europa mit verschiedenen Maßnahmen und Initiativen.

 

Beispielbetriebe

Nebenerwerbsbetrieb Steinhart, mit ca. 70 Muttertieren Schafe, Ziegen auf 15 ha Grünland

Wildensteiner Schafhof, 86744 Steinhart

Betriebsform: Bio-zertifizierter Nebenerwerbsbetrieb mit ca. 70 Muttertieren Schafe, Ziegen, ca 15 ha Grünland verteilt auf ca. 40 Feldstücke in 6 Gemarkungen (Wiesen, Weiden, Landschaftspflege)

Produkte: Zuchttiere, Fleisch, Würste, Felle, Wolle, Wollprodukte, Schnäpse

Vermarktung: nur direkt und auf Veranstaltungen

Warum hat der Betrieb angefangen sich mit Herdenschutzmaßnahmen auseinanderzusetzen? Prophylaxe angesichts zu erwartender Wolfsübergriffe auf exponierten Weideflächen

Welche Herdenschutzmaßnahmen werden umgesetzt? Seit wann? Beginn der Herdenschutzmaßnahmen im Dezember 2017 mit dem ersten Herdenschutzhund (HSH),
Januar 2018 allmählicher Aufbau des im Moment kompletten Maßnahmenbündels:
- Solarpaneele zur autarken Versorgung der Elektrozäune
- Intensivierung der Zaunkontrolle
- 3 Herdenschutzhund-Tandems (Pyrenäenberghunde, Maremano) = 6 HSH
- 2 Lamahengste, Gründung des Verband Herdenschutz

Wie wurden/werden die Herdenschutzmaßnahmen finanziert? Wieviel % der Betriebskosten macht das ca. aus? Kauf und Unterhalt eigenfinanziert, Beratungen finanziert über Landesamt für Umwelt, Geschätzt ca. 40% der Betriebskosten

Erfahrungen/Statement/Was mal gesagt werden muss Wer die Anwesenheit der Wölfe will, der soll diese 40% bezahlen. Weder ich noch irgendein mir bekannter Schäfer hat den Wolf bestellt oder begrüßt. Die deutsche Wolfspopulation rettet unsere massiv beeinträchtigte Natur um keinen Deut.

Steht der Betrieb für interessierte Weidetierhalter als Ansprechpartner zur Verfügung? Interessierte und angemeldete Besucher in meinem Betrieb begrüße und informiere ich gerne.


Kontakt: peter.dobrick(at)gmail.com

Schafbetrieb Tirschenreuth, Landschaftspflege

Schafbetrieb Rudorf, Tirschenreuth


Betriebsform: Schafbetrieb, v.a. Landschaftspflege.


Welche Herdenschutzmaßnahmen werden umgesetzt? Seit wann?
Wir halten seit 8 Jahren Herdenschutzhunde, mittlerweile drei Rassen Mastin Espanol, Kangal, Kaukase & Kreuzungen


Wie wurden/werden die Herdenschutzmaßnahmen finanziert?
Kauf und Unterhalt eigenfinanziert, Beratungen finanziert über Landesamt für Umwelt.


Erfahrungen/Statement/Was mal gesagt werden muss
Nach acht Jahren kann ich sagen, es funktioniert sogar sehr gut mit den Hunden, wenn man es richtig macht. Leider findet immer weniger Akzeptanz  in der Gesellschaft statt, eine Förderung von Herdenschutzhunden fehlt, Tierschutzverordnungen und Kampfhundelisten stören den sorgenfreien Einsatz der Hunde und es ist keine Besserung in Sicht.


Steht der Betrieb für interessierte Weidetierhalter als Ansprechpartner zur Verfügung?
Für Fragen zum Herdenschutz biete ich Tageskurse  zum praktischen Herdenschutz meines Betriebes an. Pro Person 250 Euro. Wertvolle Informationen zum funktionierenden Herdenschutz werden erst vor Ort preisgegeben.

Kontakt wotanrudorf(at)web.de

Schafbetrieb Beilngries, 15 Mutterschafe, 5 ha Pachtland

Betriebsform:
Nebenerwerbsbetrieb mit 15 bis 20 Mutterschafen; ca. 35 Stück Schafe,
Lämmer, Bock; ca. 5 ha Pachtland.
Männliche Lämmer werden geschlachtet und ab Hof verkauft, weibliche
Lämmer können zur Zucht verkauft werden.
Rasse: Bergschafe
Region: Altmühltal


Warum hat der Betrieb angefangen sich mit Herdenschutzmaßnahmen auseinanderzusetzen?
Berufliche Beschäftigung mit Bär und Wolf


Welche Herdenschutzmaßnahmen werden umgesetzt? Seit wann?
Seit 3 Jahren: Alle stehenden Elektrozäune unter Spannung. Drittes
Weidezaungerät erforderlich
Seit 2 Jahren: Anzahl der Litzen von drei auf vier erhöht


Wie wurden/werden die Herdenschutzmaßnahmen finanziert?
Die Finanzierung erfolgte mit eigenen Mitteln. Es wurden insgesamt 14,00 € je Mutterschaf investiert.


Erfahrungen/Statement/Was mal gesagt werden muss
Als verantwortungsbewusster Nutztierhalter will ich zuerst meine Tiere
schützen, dann kann man sich noch zusätzlich für bestimmte Massnahmen
engagieren.

Steht der Betrieb für interessierte Weidetierhalter als Ansprechpartner zur Verfügung?
Ja, nach telefonischer Terminabsprache gerne


Kontakt
René Gomringer
92339 Beilngries
Handy und WhatsApp: 0151 119 70 160

Selbstversorgung, Fichtelgebirge, Hobbyhaltung von Hinterwälder Rinder

Betriebsform:
Hobby-Haltung im Sinne von Selbstversorgung mit Hinterwälder Rindern zur Bewirtschaftung der eigenen Flächen,2 Mutterkühe, derzeit 3 Ochsen. Region Fichtelgebirge. Die Rinder sorgen durch extensive Beweidung für Artenvielfalt, über die Jahre hat sich hier ein Wiesenbrüter-Projekt ergeben, neben Neuntötern, Feldlerchen, Goldammern brüten hier auch wieder Braunkehlchen. Steinschmätzer und Wiedehopf finden sich regelmäßig als Durchzügler. Auf unseren Flächen wachsen Arnika und Bärwurz und tummeln sich zahlreiche Amphibien, Schmetterlinge, Insekten, Kleinsäuger.

Warum hat der Betrieb angefangen sich mit Herdenschutzmaßnahmen auseinanderzusetzen?
Dank Erfahrungen anderer Bundesländer ist die Entwicklung in Sachen Wolf ja vorhersehbar. Herdenschutz ist unverzichtbar - für uns ist der beste Herdenschutz der, der bereits steht, wenn die ersten Wölfe hier auftauchen. Die unmittelbare Riss-Gefahr schätze ich in den ersten Wolfs-Jahren eher gering ein, großes Unbehagen machten mir vor allem Berichte über durch Wölfe in Unruhe versetzte Rinder, die von ihren Flächen ausbrechen und im Straßenverkehr landen.

Welche Herdenschutzmaßnahmen werden umgesetzt? Seit wann?
2015 wurde der Elektro-Zaun aufgerüstet, wegen der Schneeverhältnisse in Mittelgebirgslage von 3 auf 7 Reihen.
2016 erstmaliger Einsatz von Schafsnetzen auch für Rinder. Und nächtliches Vorholen der Rinder in Offenstall mit Auslauf statt 24/7 Weidegang.
2016 dann Start mit 2 HSH, hier sind Kangals im Einsatz.
2018 Anschaffung eines leistungsstärkeren Weidezaungeräts.
2019 Übernahme einer Kangal-Hündin aus einem Tierheim zur Verstärkung des Hunde-Teams.

Wie wurden/werden die Herdenschutzmaßnahmen finanziert? Wieviel % der Betriebskosten macht das ca. aus?Die Kosten sind enorm!
Neben reinem Zaunmaterial, höheren T-Pfosten, leistungsstärkerem Weidezaun-Gerät, sind vor allem die Unterhaltskosten für die Hunde ein hoher Posten, auch die „Nebenkosten“ wie Zufütterung, Einstreu, Mistverarbeitung durch das nächtliche Vorholen an den Hof auch im Sommer sind hoch – besonders in den vergangenen beiden Dürrejahren.
Der größte Teil der Kosten ist privat finanziert.
Die beiden Kangal-Rüden wurden uns für das Projekt „Herdenschutzhunde bei Rindern“ vom Freundeskreis freilebender Wölfe zur Verfügung gestellt.
Das Landesamt für Umwelt hat uns mit einem Termin bei der Hundetrainerin unterstützt, sowie Schafsnetze zur Integration unserer neuen Hündin zur Verfügung gestellt, ebenfalls einige extra-lange T-Pfosten zur Absicherung einer Böschung.
Bayern Wild und die Gesellschaft zum Schutz der Wölfe haben uns u. a. mit Informationsmaterialien für Info-Stände über HSH unterstützt.

Erfahrungen/Statement/Was mal gesagt werden muss
Der Einsatz von HSH ist ein effizientes Mittel zum Herdenschutz, das nach einer gewissen Vorlaufzeit hervorragend funktionieren kann – allein es fehlt an Aufklärung der Bevölkerung. Die Tierhalter, die HSH einsetzen, haben unglaublich viele „Grabenkämpfe“ mit Gemeinden, Behörden, Tourismus-Organisationen, der Bevölkerung auszutragen, auch die gesetzlichen Rahmenbedingungen für den Einsatz von HSH sind noch verbesserungsdürftig.

Steht der Betrieb für interessierte Weidetierhalter als Ansprechpartner zur Verfügung?

Ja, natürlich.

Wild-Bunch-Ranch
Chris Homburg
2. Vorsitzende und Bayernsprecherin des Verband Herdenschutz e. V.

95493 Bischofsgrün

Tel:: 0170/9907596

 

 

Wanderstammtisch arbeitende Herdenschutzhunde

Der Wanderstammtisch "arbeitende Herdenschutzhunde" bietet Nutztierhaltern die Möglichkeit sich auszutauschen und zu informieren. Interessierte (auch nicht Tierhalter) sind willkommen sich über Weidetierhaltung und Herdenschutzhunde zu informieren. Einige Betriebe mit unterschiedlichen Hundeassen in veschiedenen Nutztierherden stellen sich auf untenstehende Homepage vor.

 

Kontakt Wanderstammtisch arbeitende Herdenschutzhunde

Herdenschutzhunde – Zuverlässige Begleiter:

Wolf in Bayern – Hunde schützen Herde:

Bodyguards für Schafe (Niedersachsen):

Bernd Louisoder Förderpreis

Bayern ist in den allermeisten Bereichen nicht Wildnis, sondern eine jahrtausendalte Kulturlandschaft mit einer langen Tradition der Koexistenz von Menschen, Viehwirtschaft und Wildtieren sowie Wildkräutern.

Mit dem Bernd Louisoder Förderpreis werden u.a. naturschutzorientierte Beweidung oder Herdenschutzmaßnahmen auf Weidebetrieben unterstützt. Näheres dazu auf der Seite Förderpreis Artenvielfalt Bayern - Bernd Louisoder Förderpreis.